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PREYER: Filmkritik: In the Lost Lands

„Nieder mit dem Overlord! Nieder mit der Kirche!“ Nach dem „letzten großen Krieg“ haben sich die letzten Menschen in einem Eisenerznachtbau zusammengerottet: denn die Sonne scheint für die Ausgebombten nicht mehr. Niedergehalten werden sie von Ordensrittern, die den Befehlen des Patriarchen Johan (James Fraser) folgen, erst seine Legitimation verleiht der Monarchin Gravität.

 

Die neue Königin (Amara Okereke) sehnt sich danach, sich ihrem Totemtier – Sigmund Freuds „Totem und Tabu“ lässt grüßen – anzuverwandeln, um mit ihrem Geliebten, dem Gestaltwandler/Werwolf Boyce (Ex-Wrestler Dave Bautista), gemeinsam jagen gehen zu können.

 

Eine berüchtigt-gefürchtete Hexe soll ihr diese magische Gabe bringen – also macht sich Gray Alys (Milla Jovovich) in die Lost Lands auf: gemeinsam mit Boyce, der im zivilen Leben Monster jagt, und seiner Verwandlung schon entgegenfiebert.

Die Revolutionsfilme von Fritz Lang („Metropolis“) und Sergej Eisenstein („Panzerkreuzer Potemkin“) mögen der Kameraarbeit als Vorbilder im Visuellen Design gedient haben. Auch hier, in dieser endzeitlich-eschatologischen Zweiklassengesellschaft, begehren die Arbeiter auf.

Regisseur Paul W.S. Anderson („Resident Evil“-Reihe) lässt in seinem Gothic Western/seiner Dark Fantasy – einer Reise ans Ende der brutalen (Vollmond-)Nacht – keine Gelegenheit für einen blutgetränkten Schwertkampf oder Schusswechsel aus: Die Letzte und Verlorene Welt ist so gnadenlos wie hypnotisierend.

Die Vorlage basiert auf einer Kurzgeschichte von George R.R. Martin („Game of Thrones“), der dem Vernehmen nach – im Falle eines filmischen Erfolgs – für ein Sequel zur Verfügung steht.

 

 

In the Lost Lands

(Rudolf Preyer)

 

 

USA 2025. Regie: Paul W.S. Anderson. Darsteller: Milla Jovovich, Dave Bautista, Amara Okereke. Vertrieb: Constantin. Länge: 101 Minuten.