· 

PREYER: Oleksandra Krushynska spricht über ihre Ukraine

„Man weiß nie, wann sich eine Gelegenheit ergibt, also sollte man den Moment nutzen, solange man kann.“

 

Oleksandra Krushynska hat an der Uniwersytet Wrocławski (Breslau) studiert, aktuell an der Universität Wien, wo sie aktuell ihr Doktorat über die adligen Eliten des polnisch-litauischen Commonwealth, auch bekannt als die Szlachta, in Galizien schreibt. Aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew stammend, hat sie dort auch das Institute of International Relations - Kyiv besucht.

Krushynska lebt ihre Leidenschaft für Geschichte und Kultur heute in Wien: Kurs-Ost-West verrät sie, wo es sich in der österreichischen Bundeshauptstadt so richtig gut aushalten lässt.

 

„Jegliche Zugeständnisse an Russland würden das Leid der ukrainischen Bevölkerung verlängern.“

 

Womit beschäftigen Sie sich wissenschaftlich? Was sind Ihre Forschungs-Erkenntnisse?

Ich arbeite derzeit an meiner Dissertation am Institut für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien. Ich beschäftige mich mit der Anpassung der adligen Eliten des polnisch-litauischen Commonwealth, auch bekannt als die Szlachta, an die Herrschaft der Habsburger Monarchie nach der Ersten Teilung Polens im Jahr 1772. Ich untersuche die Beziehung zwischen der Szlachta und der habsburgischen Regierung aus der Perspektive der postkolonialen Studien und versuche zu definieren, wie die Instrumente dieses Ansatzes auf die ersten Jahrzehnte der Habsburger Herrschaft in Galizien anwendbar sind, sowie die Versuche der Habsburger, die Szlachta in die Prozesse der staatlichen Zentralisierung einzubeziehen.

 

Wie sehen Sie die Ukraine heute? Wie wünschen Sie sich, dass es politisch und militärisch in naher Zukunft weitergeht?

Die Ukraine kämpft heute für ihre Unabhängigkeit und die Wahrung ihrer Souveränität. Trotz der unglaublich schwierigen Lage sind die Menschen in der Ukraine entschlossen und hochmotiviert, diesen Kampf fortzusetzen. Jegliche Zugeständnisse an Russland würden nicht nur den Zustand der ukrainischen Staatlichkeit weiter verschlechtern, sondern auch das Leid der Bevölkerung verlängern. In dieser Situation ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Ukraine ihre Unabhängigkeit verteidigt und die internationale Unterstützung weiterhin aufrechterhält. Politisch und militärisch wünsche ich mir, dass die Ukraine in der Lage ist, ihre Reformprozesse fortzuführen und gleichzeitig ihre Verteidigungsfähigkeiten zu stärken. Die Zukunft der Ukraine sehe ich nicht nur in der Europäischen Union, sondern auch in der NATO, da dies die notwendige Sicherheitsgarantie für die langfristige Stabilität des Landes bietet. Nur durch eine enge Anbindung an die westliche Gemeinschaft kann die Ukraine in eine friedliche und stabile Zukunft gehen und sich dauerhaft vor äußeren Bedrohungen schützen.

 

Was gefällt Ihnen am Leben in Wien? Haben Sie einen „Geheim-Tipp“?

Was mir am Leben in Wien besonders gefällt, ist die einzigartige Kombination aus historischer Architektur, kulturellem Erbe und der hohen Lebensqualität. Es gibt eine Mischung aus Tradition und Moderne, die die Stadt zu einem sehr angenehmen Ort macht, sowohl für das tägliche Leben als auch für kulturelle Entdeckungen. Besonders schätze ich die zahlreichen grünen Oasen, wie den Prater oder den Stadtpark, die es ermöglichen, inmitten der Stadt Ruhe und Natur zu genießen. In den wärmeren Jahreszeiten kann ich den ganzen Tag draußen verbringen – einfach spazieren gehen, das schöne Wetter genießen und mich in einem guten Buch verlieren, während die Geräusche der Natur die perfekte Klangkulisse bieten. Mein persönlicher Favorit ist der Lainzer Tiergarten. Es ist ein ruhiger, fast magischer Ort, der eine ganz besondere Atmosphäre hat. Die dichten Wälder und weitläufigen Wiesen bieten nicht nur einen Rückzugsort für Spaziergänge, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit, die Tierwelt zu beobachten und dem hektischen Stadtleben zu entfliehen.

 

Wo sehen Sie sich in fünf-zehn-fünfzehn Jahren?

In fünf bis zehn Jahren sehe ich mich beruflich als eine weiterentwickelte Expertin auf meinem Gebiet, mit einem erfolgreichen Abschluss meiner Dissertation und möglicherweise einer akademischen oder professionellen Position, die mir ermöglicht, weiter zu forschen und zu lehren. Ich möchte einen Beitrag zur wissenschaftlichen Gemeinschaft leisten und meine Kenntnisse in der Geschichte vertiefen. Persönlich hoffe ich, dass ich weiterhin in einem Umfeld lebe, das mich inspiriert – sei es in Wien oder an einem anderen Ort, der meine beruflichen und persönlichen Interessen fördert. Ich möchte meine Leidenschaft für Geschichte und Kultur weiterverfolgen, neue Ideen entwickeln und meine Erfahrungen mit anderen teilen.

 

Was möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Ich würde den Lesern gerne mit auf den Weg geben, dass es wichtig ist, offen für neue Ideen und Perspektiven zu bleiben, egal in welchem Bereich des Lebens. Lernen hört nie auf – und es ist nie zu spät, neue Wege zu gehen oder sich neuen Herausforderungen zu stellen. In einer Welt, die sich ständig verändert, ist es entscheidend, flexibel zu bleiben und sich von Erfahrungen inspirieren zu lassen, um sowohl beruflich als auch persönlich zu wachsen. Gleichzeitig möchte ich betonen, wie wichtig es ist, proaktiv zu sein und alle Chancen zu ergreifen, die sich bieten. Man weiß nie, wann sich eine Gelegenheit ergibt, also sollte man den Moment nutzen, solange man kann.